Deutschlands digitale Städte - und was sie für Frauen bieten
Welche deutschen Großstädte haben besonders gute Internetangebote? Die Initi@tive D21 verlieh Preise an Essen, Magdeburg und Stuttgart.
Der branchenübergreifende Zusammenschluss von etwa 300 Unternehmen untersuchte insgesamt 82 Internet-Auftritte von Städten mit mehr als 100.000 EinwohnerInnen. Der Test verschiedener Internetseiten wurde im Mai 2002 durchgeführt. Auf dem Jahreskongress der Initiative D21 am 28. Juni in Leipzig wurden die Sieger prämiert.
Die Studie E-Town 2002 - Deutschlands digitale Hauptstädte untersuchte kommunale Internet-Angebote in den Kategorien elektronische Verwaltung, elektronische Demokratie und Nutzerfreundlichkeit. Außerdem wurde untersucht, auf welchen kommunalen Online-Seiten die Angebote speziell für Frauen besonders gut waren.
Angebote für Frauen
Bei den Internetseiten der Stadt Münster war auffällig, dass auf allen Seiten das Thema "Frauen" präsent ist - und nicht nur auf speziellen "Frauenseiten". Die gibt es natürlich auch: Hier ist ein virtuelles Frauenhandbuch zu finden und unter dem Menüpunkt "Termine" können Termine von Frauen für Frauen eingetragen werden.
Auf der Website der Stadt Heidelberg steht die Information im Vordergrund. Es finden sich viele direkte Links. Attraktiv ist auch die Aktion "SOS Handy", die ausrangierte Mobiltelefone, mit denen sich immer noch eine Notrufnummer wählen lässt, sammelt und an interessierte Frauen weitergibt.
Auch in Pforzheim steht der praktische Nutzen im Vordergrund. Die Informationen für Frauen sind übersichtlich gegliedert und schnell auffindbar. Der Veranstaltungskalender veröffentlicht vierteljährlich auf Frauen zugeschnittene Angebote. Diese können über ein Formular eingegeben werden. Lobend erwähnt wird auch das umfassende Angebot zum Thema "Gewalt gegen Frauen und Mädchen". Hier finden sich Hintergrundtexte kombiniert mit konkreten Beratungsangeboten.
E-Verwaltung, E-Demokratie und Nutzerfreundlichkeit
Bei der elektronischen Verwaltung schnitt die Stadt Essen am besten ab, weil sie laut Studie den besten Online-Service für die BürgerInnen bietet. Den ersten Platz in der Kategorie E-Demokratie belegt Stuttgart. Nach Ansicht der Juroren bezieht die Hauptstadt von Baden-Württemberg die BürgerInnen über das Internet bundesweit am meisten in die Politik ein.
Den ersten Platz bei der Nutzerfreundlichkeit gewann die Stadt Magdeburg. Die Navigation der Magdeburger Homepage sei bedienungsfreundlich und führe den Nutzer sicher durch die Seiten, sodass er die Angebote leicht finden könne, heißt es in der Begründung. Besondere Beachtung verdiene das System zur Information über den Rat, da es beispielsweise die Art der Dokumente erläutere. Gelungen seien ferner die Veranstaltungskalender im Bereich Tourismus und Freizeit und die Unternehmerdatenbank unter dem Stichwort Wirtschaft.
Nicht das Budget entscheidet
E-Government scheint nicht nur eine Frage des Budgets. Die Untersuchung hat gezeigt, dass auch Städte mit prekärer Haushaltslage zu den besten E-Government-Städten gehören können. Essen und Magdeburg haben den Beweis angetreten, dass es darauf ankommt, "kreative Ideen mit umsetzbaren und durchdachten Lösungen zu realisieren", wie es in der Studie heißt.
Erwin Staudt, Chef von IBM Deutschland und Vorsitzender der Initiative D21, sagte bei der Vorstellung der Studie, die Städte sollen sowohl zum Ideenklau als auch zum miteinander arbeiten angeregt werden. "Es muss nicht jeder das Rad neu erfinden, man kann voneinander profitieren."
[03.03.2005]


